Geschafft
Am Sonntag bin ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen und hab’s geschafft. Vor zwei Jahren beschloss ich, meine Gesundheit zu fördern und begann, mich vom Ausgleichsportler zum Hobbysportler zu entwickeln. Als ich mit 58 Jahren anfing, Triathlon zu trainieren, kamen natürlich besorgte Kommentare: Meinst du nicht, dass das zu schwer ist und du zu alt bist, glaubst du, es ist die Mühe wert, nur um jung zu bleiben, das ist sicher nicht so leicht in dem Alter, willst du dir das wirklich antun …?

Und die warnenden Stimmen hatten ja sogar Recht, leicht ist das alles nicht. Ich übte unermüdlich und zielstrebig, am frühen Morgen, bei Wind und Regen, Kälte und Dunkelheit. Im August brach ich mir zu allem Überfluss noch zwei Zehen und der Arzt zweifelte, das mit dem Halbmarathon würde nicht gehen. Ich trainierte mit Schwimmen und Radfahren, das ging auch mit gebrochenen Zehen und nach 4 Wochen begann ich wieder zu laufen, anfangs etwas mühsam, aber es ging. Eine Woche vor dem Halbmarathon schaffte ich gerade mal 14 km. Aufgeregt wagte ich mich dennoch an den Start, ermutigt und angespornt durch meinen Trainer, dem ich für seine intensive Betreuung sehr dankbar bin. Er meinte, der Versuch sei es wert, ich könnte jederzeit aufhören.
Photo: Maren Börsdamm
Am Morgen des Rennens versuchte ich mich selbst zu motivieren und zu ermutigen. Am Start traf ich zwei bewundernswerte Frauen, eine Ultramarathonläuferin und ihre Mutter, die ebenfalls den ersten Halbmarathon lief, wir verstanden uns sofort. Nach einigen organisatorischen Fragen liefen wir zu dritt miteinander die folgenden 21 km. Unterwegs feuerten uns die Zuschauer am Wegesrand an, Trommler machten Mut. “Lauf Forrest lauf„ stand auf einigen der Schildern, die uns die Menschen zum Durchhalten entgegenhielten (ich liebe den Film “Forrest Gump”). Wasser, Bananen und Nervennahrung wurden uns von begeisterten Helfern gereicht, wir bedankten uns, winkten den Menschen zu und liefen… Eine wunderbare Stimmung, Geben und Nehmen, herrlicher Sonnenschein, goldgelb- und rotgefärbte Bäume, so viele ermutigende Gesten, und laufen, laufen, laufen… Ab Kilometer 14 wusste ich: ich bin gut in der Zeit, ich kann das schaffen. Das Ziel wird greifbar und endlich ist es in Sicht!

Ein herrlicher Tag und soooooo viele Glücksgefühle!!!
Danke an meine wunderbaren Mitläufer, danke an alle, die das ermöglichten, danke an alle, die dabei waren und uns versorgten, danke an alle, die uns anfeuerten!
Photo: Maren Börsdamm

Wenn wir spüren, dass Menschen sich anstrengen, jeder auf seine Art, wenn wir uns gegenseitig Mut machen und Ziele vor Augen haben, wenn wir helfen, teilen und lernen, dann fühlt sich das Leben so richtig lebenswert an.
Euch allen eine schöne neue Woche mit vielen Glücksgefühlen und Menschen, die Mut machen.
Gertrud Müller