Diese Woche war ich beim Friseur und habe mir ein paar neue Kleider gekauft. Es stellt sich die Frage:„Was passt zu mir, mit welcher Kleidung fühle ich mich wohl, was steht mir, wie gefalle ich mir, wie möchte ich gesehen und wahrgenommen werden?“ Wenn wir uns kleiden und stylen, beginnt immer auch ein gewisses Theater.
Persona nannte C.G. Jung die nach außen gezeigte Einstellung eines Menschen, eine Maske, die Individualität vortäuscht und durch Anpassung anderen die erwünschte Vorstellung von sich selbst zeigt. Warum zeigen wir uns gegenseitig eine Maske, obwohl es auch die Möglichkeit gäbe, einfach ehrlich zu sein, so wie wir sind und uns wohlfühlen?
Wenn wir alle schon in einer liebevollen und wertschätzenden Kultur leben würden, wäre die Maske nicht mehr nötig. Die Maske ist oft notwendig um ein Gefühl des Angenommenseins zu spüren, das wir alle brauchen. Wenn wir wissen, dass wir in einer bestimmten Gesellschaft ausgegrenzt, verlacht oder umerzogen werden, dann verhalten wir uns nicht mehr authentisch, dann spielen Menschen bewusst oder unbewusst eine Rolle. Sie tragen eine Maske, von der sie annehmen, dass diese erwartet wird oder vor Strafe schützt. Viele Menschen bewegen sich deshalb in Gruppen, die ihnen wohlgesonnen erscheinen und in denen sie anscheinend so angenommen werden wie sie sind. In diesen Gruppen tragen sie die angepassten Masken und die dazu passenden Uniformen. Andere Personen passen sich an die Normen und Erwartungen der Gesellschaft und Religionen an und spielen mit diesen Masken. Menschen brauchen Masken, für die unterschiedlichen Felder in denen Sie sich bewegen. So spielen alle Menschen mehr oder weniger Theater, sie verkleiden und verstellen sich. Ist es verwunderlich, dass wir uns oft gar nicht kennenlernen, sondern immer mehr entfremden? Und wenn wir uns fremd werden, brauchen wir die freundlichen, netten, höflichen und achtsamen Masken nicht mehr, dann setzen viele Ihre böse Maske auf.
Wie schön wäre es, wenn wir all diese grotesken Masken ablegen würden. Dann wäre es viel leichter, eine liebevolle und wertschätzende Kultur aufzubauen, dann bräuchten wir keine Masken mehr und dürften so sein wie wir sind.
Eine schöne neue Woche, in der wir immer wieder Menschen begegnen, bei denen wir keine Masken brauchen.
Gertrud Müller

Gemälde: Inge Halrid