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Frieden macht Schule Blog

Resignation

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 16 Nov, 2019 19:41:37

Als Resignation wird beschrieben, wenn sich ein Mensch oder eine Gruppe dem unabänderlich Scheinenden fügt, das Engagement für die eigenen und kollektiven Ziele beendet und somit jegliche Hoffnung aufgibt.

Verleugnung ist, wenn Personen oder Gruppen Realitäten nicht anerkennen. Verleugnung ist auch ein Abwehrmechanismus der Seele.

Resilienz ist die Fähigkeit, auf psychischer Ebene einen gewissen Widerstand gegenüber Problemen zu entwickeln und dadurch widrige Lebensumstände zu ertragen und zu überstehen.

Die Mischung aus diesen drei Faktoren ist giftig. Wir sehen immer wieder, auch in der Historie, wie sich tödliche Mischungen aus Resignation, Verleugnung und Resilienz verbreiten. In den zwei Weltkriegen, in Elendszuständen im Mittelalter, in Katastrophengebieten und in sehr vielen Einzelschicksalen. Auch heute erleben wir wieder die Gefahr, die sich aus dieser giftigen Mischung entwickelt.

Eine Welt, in der sich Resignation ausbreitet: Werte der Menschlichkeit verrohen, die Sorge der Menschen um die natürliche und soziale Umwelt werden von einigen Politikern verleugnet und verharmlost. Während Wirtschaft und Politik postulieren, wie gut es den Menschen geht, vereinsamen immer mehr Menschen, Tiere sterben aus, Krankheiten vermehren sich und Systeme kollabieren. Betroffenen bleibt nur noch, das alles zu ertragen.

Vor zehn Jahren starb der Nationaltorwart Robert Enke durch Suizid, 2014 der Fußballprofi Andreas Biermann ebenfalls durch Suizid. Bei beiden wurde Depression als Ursache genannt. Der Fußballmanager Jörg Schmadtke sagt, es habe sich bis heute in der Welt des Fußballs nichts geändert. “Nicht bei den Medien, nicht bei den Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und auch nicht in der Gesellschaft.”

Sowohl bei Suizid als auch bei anderen Formen der Verzweiflung, bei Formen der Radikalisierung und bei Amokläufen spielen vergiftete Mischungen verletzter Gefühle eine große Rolle.

Es reicht nicht, mit verletzten Gefühlen zu resignieren, diese Gefühle zu verleugnen oder sie zu ertragen.
Es muss einen besseren Weg geben. Mögen wir als Einzelne und kollektiv den Mut haben, diesen besseren Weg zu suchen und zu finden.
Eine gute und mutige neue Woche

Gertrud Müller



Rückzug

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 10 Nov, 2019 23:26:52

Es wird Winter, die Natur zieht sich zurück, Pflanzen suchen Schutz unter der Erde, Tiere verkriechen sich in Höhlen, Menschen in den Häusern; ein sichtbarer und nachvollziehbarer Rückzug.
Es gibt auch den seelischen, unsichtbaren Rückzug, Menschen verschweigen ihre wirklichen Gefühle und erzählen niemanden von ihren Bedürfnissen und den dunklen Gedanken. Erzählungen bleiben oberflächlich, banal und belanglos. Es gibt Menschen, die andere immer wieder belügen

Warum kommt es zu diesem innerlichen Rückzug, zu dieser Unehrlichkeit?

Wir kennen den Rückzug der Opfer, den Rückzug der Angepassten und den Rückzug der Täter. Täter führen oft ein nach außen hin angepasstes Leben, während sie innerlich vereinsamen und Straftaten, Racheakte oder Verbrechen planen. Diese Gedanken und Gefühle werden versteckt, es ist den Tätern klar, dass sie Folgen zu erwarten haben, wenn sie Ihre Überlegungen aussprechen oder umsetzen. Es gibt den Rückzug der Angepassten: die eigenen dunklen oder lustvollen Gefühle werden versteckt und in Gesprächen über andere ausgelebt, über Krimis, Filme, Opern, Romane, Abenteuern und im Internet verarbeitet, äußerlich ist nur die angepasste Fassade zu sehen. Und es gibt den Rückzug der Opfer, die aus Angst, Scham und aus Not schweigen um sich zu schützen.

In oberflächlichen sozialen Umfeldern werden weder die Gefühle der Täter, noch die der Angepassten wahrgenommen und den Opfern wird nicht geglaubt.
In gefühllosen Umgebungen verstecken sich Opfer, Angepasste und Täter, sie haben Angst, ausgegrenzt, verfolgt, abgewertet oder verlacht zu werden.

Leben Menschen in wertschätzender Umgebung, können Gefühle und Gedanken von Handlungen getrennt werden und es ist kein Problem, dunkle Gefühle auszusprechen. Manche Menschen sagen ganz offen: „Ich hab so eine Wut, ich könnte dich umbringen.“ In einer verständnisvollen Umgebung kommt niemand auf die Idee, jemanden wegen dieser Aussage anzuklagen oder zu glauben, dass der andere das Gesagte umsetzen könnte. Das Vertrauen in die Kontrollfunktion der Person ist gegeben. In einer vertrauensvollen Umgebung muss sich niemand extrem anpassen und Opfer können erzählen, dass sie sich gedemütigt fühlen und werden Verständnis finden.

Wir sprechen oft einzelnen Menschen die alleinige Schuld zu und vernachlässigen die Umgebungsbedingungen.
Wir sind als Menschen verantwortlich für unser Verhalten und wir sind verantwortlich dafür, welche Umwelten wir erschaffen, welche Umgebungsbedingungen wir kultivieren: Menschen können jeden Tag dazu beitragen, wertschätzende Beziehungen und Begegnungen zu gestalten. Menschen können lernen, die eigenen Gefühle und die der Mitmenschen zu achten, ohne feindselig zu reagieren.
Möge es uns immer mehr gelingen, freundliche, ehrliche und wertschätzende Lebensstile zu kultivieren!
Eine schöne neue Woche
Gertrud Müller



Im Tunnel

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 03 Nov, 2019 14:58:53

Fahren wir durch einen Tunnel, so sind wir überzeugt, am anderen Ende wieder hinaus zu kommen. Aber es gibt auch die Ängste, im Tunnel fest zu stecken, gefangen zu sein und den Tunnel nicht mehr verlassen zu können. Und zu Halloween greifen wir die Ängste auf, verbreiten Schrecken und Grauen und freuen uns darüber. Macht das Sinn?

Die Menschheit will Not und Elend hinter sich lassen und sucht das Glück im Paradies.

Sind wir auf dem Weg dahin, oder sind wir eher auf dem Weg ins Inferno? Heißt Leben im Paradies bequemes Leben, lustvoller Sex auf Knopfdruck, keine Anstrengungen mehr, nur mehr fordern und Konsum, Konsum, Konsum…. oder sogar Schadenfreude am Leid der Anderen, Rache und Vergeltung?

12 Jahre haben wir noch Zeit um die Welt zu retten, sagen uns viele Wissenschaftler. Ist das wirklich die Zeit einfach sorglos weiter zu fahren, ist das die Zeit uns weiter zu empören, weiter die Augen zu verschließen?

Niemand hat im Moment das Allheilmittel, die schnelle Lösung parat. Wir können alle hier und heute beginnen, indem wir uns jeden Tag fragen: welchen Beitrag kann ich hier und heute für eine bessere Welt leisten? Was brauche ich wirklich? Auf welchen Konsum kann ich verzichten, wie kann ich handeln, zu wem kann ich freundlich sein, wie bleibe ich wach und konsumiere nicht blind? Wenn wir unser Leben mehr beobachten und verantwortungsvoll handeln, dann fahren wir nicht kollektiv in Tunnel, die uns ins Inferno führen.

Mögen die Menschen nicht mit bösem, feindseligen Blick auf andere herabsehen, mögen sich Industriezweige nicht länger am Schaden und Leid der Menschen bereichern. Sorgen wir als Einzelne und kollektiv dafür, dass wir uns gegenseitig vor Schaden, Angst und Schrecken beschützen.
Eine gute neue Woche

Gertrud Müller



Was ist eigentlich gesund?

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 27 Oct, 2019 05:49:08

Die Wissenschaft und die Medizin haben klare Vorstellungen von Krankheit: wir können gesunde und kranke Zustände oder Ereignisse in Laborwerten, Röntgenbildern usw. feststellen. Wir wissen jedoch nicht, wann und warum die Krankheit beginnt. Und wir wissen nicht, warum der eine Mensch bei gleichen Bedingungen gesund bleibt und der andere erkrankt. Wir stellen im Nachhinein Hypothesen auf, warum wir krank geworden sind oder warum wir gegenüber unserer Gesundheit oder bei einem Unfall unaufmerksam waren.

Menschen haben immer wieder den Wunsch, das Leben zu kontrollieren. Macht uns vielleicht genau diese Kontrolle krank? Raucher glauben, ihre Nervosität oder ihren Glückszustand durch das Rauchen zu kontrollieren, andere glauben, zufriedener zu sein, wenn sie viel essen, Magersüchtige glauben, in ihrer Magerkeit liegt der Erfolg. Leistungsorientierte Menschen arbeiten zuviel und riskieren vor lauter Stress einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, der Zwanghafte kontrolliert seine Mitmenschen und gerät dadurch immer mehr in Konflikte oder Einsamkeit, weil sich die Mitmenschen nicht wertgeschätzt fühlen und abwenden.
Der Ängstliche versucht seine Angst zu kontrollieren und fragt bei anderen Menschen nach, wie er leben soll, schließlich erkrankt er auf Grund falscher Ratschläge.

Ist es nicht gesünder, zu spüren, was einem gut tut, statt das Leben zu kontrollieren? Der Mensch, der seine Gefühle spürt und auf sie hört, kann seine Gefühle wertschätzen und isst bis er satt ist, er ruht sich aus, wenn er erschöpft ist; der gesunde Mensch bewegt sich, weil er Freude an Bewegung spürt, er lacht mit anderen und genießt die schönen Augenblicke. Der gesunde Mensch sucht Freunde und Arbeit, macht sich aber nicht davon abhängig. Leider wird schon vielen Kindern und auch Erwachsenen das Gefühl aberzogen was gut tut. Der Mensch muss in einer kontrollierten Welt funktionieren, Leistung erbringen, er muß sich selbst darstellen und vermarkten. Gerade weil diese Kontrolle sich nicht gut anfühlt, versuchen Menschen sich abzulenken, rauchen, trinken zu viel Alkohol und zu wenig Wasser, essen zuviel, bewegen sich zu wenig und liegen auf der Couch usw.

Vielleicht macht uns gerade die Kontrolle der Welt, die wir gewinnen wollen, krank: die Kontrolle der Systeme, die Kontrolle der Interaktionen, die Kontrolle der Termine, der Normen und Regeln. Wir verlieren mit all den Kontrollen das gute Gefühl, das Gefühl dafür, wie und wann wir uns wohlfühlen.

Vielleicht ist Gesundheit einfacher als wir denken: wenn wir lernen uns wieder wohlzufühlen, dann orientieren wir uns an all dem, was sich gut anfühlt und keinem anderen schadet. Wenn wir uns selbst öfter wohlfühlen und wenn wir auch anderen erlauben, dass sie sich wohlfühlen, dann brauchen wir vielleicht viel weniger Medizin und leiden viel weniger unter den Nebenwirkungen der Kontrolle und der Medikamente.
Ich wünsche uns, dass wir achtsam mit uns selbst, mit unseren Gefühlen umgehen und auch im Umgang mit unseren Mitmenschen achtsam sind.
Eine schöne neue Woche
Gertrud Müller



Geschafft

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 20 Oct, 2019 11:12:20

Geschafft
Am Sonntag bin ich meinen ersten Halbmarathon gelaufen und hab’s geschafft. Vor zwei Jahren beschloss ich, meine Gesundheit zu fördern und begann, mich vom Ausgleichsportler zum Hobbysportler zu entwickeln. Als ich mit 58 Jahren anfing, Triathlon zu trainieren, kamen natürlich besorgte Kommentare: Meinst du nicht, dass das zu schwer ist und du zu alt bist, glaubst du, es ist die Mühe wert, nur um jung zu bleiben, das ist sicher nicht so leicht in dem Alter, willst du dir das wirklich antun …?

Und die warnenden Stimmen hatten ja sogar Recht, leicht ist das alles nicht. Ich übte unermüdlich und zielstrebig, am frühen Morgen, bei Wind und Regen, Kälte und Dunkelheit. Im August brach ich mir zu allem Überfluss noch zwei Zehen und der Arzt zweifelte, das mit dem Halbmarathon würde nicht gehen. Ich trainierte mit Schwimmen und Radfahren, das ging auch mit gebrochenen Zehen und nach 4 Wochen begann ich wieder zu laufen, anfangs etwas mühsam, aber es ging. Eine Woche vor dem Halbmarathon schaffte ich gerade mal 14 km. Aufgeregt wagte ich mich dennoch an den Start, ermutigt und angespornt durch meinen Trainer, dem ich für seine intensive Betreuung sehr dankbar bin. Er meinte, der Versuch sei es wert, ich könnte jederzeit aufhören.
Photo: Maren Börsdamm
Am Morgen des Rennens versuchte ich mich selbst zu motivieren und zu ermutigen. Am Start traf ich zwei bewundernswerte Frauen, eine Ultramarathonläuferin und ihre Mutter, die ebenfalls den ersten Halbmarathon lief, wir verstanden uns sofort. Nach einigen organisatorischen Fragen liefen wir zu dritt miteinander die folgenden 21 km. Unterwegs feuerten uns die Zuschauer am Wegesrand an, Trommler machten Mut. “Lauf Forrest lauf„ stand auf einigen der Schildern, die uns die Menschen zum Durchhalten entgegenhielten (ich liebe den Film “Forrest Gump”). Wasser, Bananen und Nervennahrung wurden uns von begeisterten Helfern gereicht, wir bedankten uns, winkten den Menschen zu und liefen… Eine wunderbare Stimmung, Geben und Nehmen, herrlicher Sonnenschein, goldgelb- und rotgefärbte Bäume, so viele ermutigende Gesten, und laufen, laufen, laufen… Ab Kilometer 14 wusste ich: ich bin gut in der Zeit, ich kann das schaffen. Das Ziel wird greifbar und endlich ist es in Sicht!

Ein herrlicher Tag und soooooo viele Glücksgefühle!!!
Danke an meine wunderbaren Mitläufer, danke an alle, die das ermöglichten, danke an alle, die dabei waren und uns versorgten, danke an alle, die uns anfeuerten!
Photo: Maren Börsdamm

Wenn wir spüren, dass Menschen sich anstrengen, jeder auf seine Art, wenn wir uns gegenseitig Mut machen und Ziele vor Augen haben, wenn wir helfen, teilen und lernen, dann fühlt sich das Leben so richtig lebenswert an.
Euch allen eine schöne neue Woche mit vielen Glücksgefühlen und Menschen, die Mut machen.
Gertrud Müller



Kreativität

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 13 Oct, 2019 11:18:34

Haben Sie als Kind auch Wickie und die starken Männer angeschaut?
Wickie zeigt den großen starken Männern, wie durch Kreativität geniale Lösungen gefunden werden, damit die Männer nicht mehr kämpfen müssen.
Wenn man die Welt heute ansieht, dann bräuchten wir dringend wieder einen kreativen Wickie, der den übertrieben selbstbewussten Männern dieser Welt interessante und geniale Lösungen zeigt.
Wir können uns alle wieder kreative Intelligenz aneignen, jeden Tag wieder etwas Neues probieren, wie die Kinder. Hoffentlich können wir dann den so mächtigen, kämpferischen und pseudo-starken Männern zeigen, dass eine geniale Welt, den ganzen Kampf, die Kriege, die Morde und all die Vergeltungen nicht braucht.
Ich wünsche uns allen ganz viele unorthodoxe Ideen und viel Kreativität für eine bessere Welt von Morgen. Wenn Ihr neue, gute Ideen habt, schickt Sie uns. Wir veröffentlichen diese Ideen und Maßnahmen in unserem online-Magazin: “We create a free and friendly world”.

Eine ideenreiche Woche

Gertrud Müller


Bild: “Rosentage in Friedrichstadt/ NF”, Mischtechnik, Gelstift mit Aquarell, ARTelier o.ZILLE, Octavia Zille



>Authentisch

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 06 Oct, 2019 20:26:28

> Diese Woche war ich auf einem Seminar mit der Regel: alle Teilnehmer sind wertschätzend und einfühlsam. Natürlich gelingt das noch nicht vollkommen, bei unseren Gesellschafts-, Schul- und Mediensystemen, die auf Konkurrenz, Leistung und Show aufgebaut sind.
> Aber ist es nicht schon ein Riesenerfolg, dass im Jahr mehrere 1000 Menschen daran arbeiten, mitfühlend, ehrlich und wertschätzend zu werden? Auch wenn man in den herkömmlichen Medien noch nicht so viel davon hört: es geschieht gerade eine große Evolution, vor allem eine Entwicklung der Liebe, die den ganzen Planeten erfüllen kann. Macht mit, schaut auf all das, was sich schon positiv entwickelt hat, zeigt eure Liebe und Wertschätzung jeden Tag. Sagt dem Müllmann danke für die Sauberkeit. Schenkt dem Polizisten ein Lächeln für die Ordnung. Lobt die Bäckerin für das leckere Croissant und die lange Arbeitszeit.

> Seht all das Gute, was die Menschen tun und bitte, bitte sagt es Ihnen. Es wird erstaunlich sein wieviel Lebensfreude und Glücklichsein wir damit säen können.
> Alles Liebe und ganz viel Dankbarkeit und Lebensfreude in der neuen Woche
> Gertrud Müller



Styling

Frei denken - nicht mitlaufen Posted on 28 Sep, 2019 21:44:01

Diese Woche war ich beim Friseur und habe mir ein paar neue Kleider gekauft. Es stellt sich die Frage:„Was passt zu mir, mit welcher Kleidung fühle ich mich wohl, was steht mir, wie gefalle ich mir, wie möchte ich gesehen und wahrgenommen werden?“ Wenn wir uns kleiden und stylen, beginnt immer auch ein gewisses Theater.
Persona nannte C.G. Jung die nach außen gezeigte Einstellung eines Menschen, eine Maske, die Individualität vortäuscht und durch Anpassung anderen die erwünschte Vorstellung von sich selbst zeigt. Warum zeigen wir uns gegenseitig eine Maske, obwohl es auch die Möglichkeit gäbe, einfach ehrlich zu sein, so wie wir sind und uns wohlfühlen?
Wenn wir alle schon in einer liebevollen und wertschätzenden Kultur leben würden, wäre die Maske nicht mehr nötig. Die Maske ist oft notwendig um ein Gefühl des Angenommenseins zu spüren, das wir alle brauchen. Wenn wir wissen, dass wir in einer bestimmten Gesellschaft ausgegrenzt, verlacht oder umerzogen werden, dann verhalten wir uns nicht mehr authentisch, dann spielen Menschen bewusst oder unbewusst eine Rolle. Sie tragen eine Maske, von der sie annehmen, dass diese erwartet wird oder vor Strafe schützt. Viele Menschen bewegen sich deshalb in Gruppen, die ihnen wohlgesonnen erscheinen und in denen sie anscheinend so angenommen werden wie sie sind. In diesen Gruppen tragen sie die angepassten Masken und die dazu passenden Uniformen. Andere Personen passen sich an die Normen und Erwartungen der Gesellschaft und Religionen an und spielen mit diesen Masken. Menschen brauchen Masken, für die unterschiedlichen Felder in denen Sie sich bewegen. So spielen alle Menschen mehr oder weniger Theater, sie verkleiden und verstellen sich. Ist es verwunderlich, dass wir uns oft gar nicht kennenlernen, sondern immer mehr entfremden? Und wenn wir uns fremd werden, brauchen wir die freundlichen, netten, höflichen und achtsamen Masken nicht mehr, dann setzen viele Ihre böse Maske auf.
Wie schön wäre es, wenn wir all diese grotesken Masken ablegen würden. Dann wäre es viel leichter, eine liebevolle und wertschätzende Kultur aufzubauen, dann bräuchten wir keine Masken mehr und dürften so sein wie wir sind.
Eine schöne neue Woche, in der wir immer wieder Menschen begegnen, bei denen wir keine Masken brauchen.
Gertrud Müller

Gemälde: Inge Halrid



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